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Fokus: Selbstführung

Selbstführung bedeutet zuallererst, mich selbst ernst zu nehmen. Neben meinen Stärken, Zielen und Visionen auch die eigene Verletzlichkeit anzunehmen, und die eigenen Begrenzungen. Selbstführung ist Ausdruck einer tiefen Selbstliebe, die nicht nur sieht, was ich will und wünsche, oder was ich sollte, sondern auch Mitgefühl dafür hat, was mir jetzt gerade möglich ist und was nicht. Und dann geht es darum, den ersten Schritt zu machen und das Leben zu gestalten, im Innen wie im Außen.



Um sich selbst authentisch zu führen (und nicht ins nächste Burnout zu steuern),

braucht es aus meiner Sicht die folgenden Fähigkeiten:


Selbstwahrnehmung


Die Fähigkeit, eigene Gedanken, Emotionen, Bedürfnisse, Stressreaktionen und Muster zu erkennen – ohne sie sofort zu bewerten oder zu unterdrücken. Denn auch der Teil meines Innenlebens, der mich blockiert, hat wichtige Botschaften. Es bringt nichts, dagegen anzukämpfen. Viel besser ist eine Haltung von Neugier und Offenheit, um mich selbst immer besser kennenzulernen.


Selbstwahrnehmung braucht immer wieder die bewusste Entscheidung, sich nach innen zu wenden. Das ist nicht immer einfach, aber man kann es üben - an einem ruhigen Ort, in Stille, aber dann auch gern mitten im Alltag. Etwa wenn ich nach einem anstrengenden Tag zur Chipstüte greife, obwohl es sich nicht gut anfühlt und ich weiß, dass ich es bereuen werde. Genau dann hilft die Fähigkeit der Selbstwahrnehmung, den eigenen Gefühlen und verbuddelten Bedürfnissen auf die Spur zu kommen. Dann wird uns vielleicht klar, dass wir uns allein fühlen oder uns belohnen wollen.


Um die Selbstwahrnehmung zu schulen, ist es wichtig, erst einmal nichts verändern zu wollen. So lernen wir nach und nach, immer eine Zwiebelschicht tiefer in uns hineinzufühlen und unsere Bedürfnisse anzunehmen.


Selbstreflexion


Selbstreflexion erfordert die Fähigkeit und vor allem auch die Bereitschaft, mit etwas Distanz auf das eigene Verhalten zu blicken und es einzuordnen: Warum reagiere ich so? Was triggert mich? Welchen Anteil habe ich an der Situation? Hier fängt die Forschungsarbeit an, das Sortieren, das Einordnen. Was hilft mir, was bringt mich auf den Holzweg? Sich dabei auf die Schliche zu kommen, ist nicht so einfach. Denn oft sind da starke Gefühle, die keine Offenheit und zulassen, weil zu viel auf dem Spiel steht. Aus einer solchen Dynamik herauszukommen, das gelingt manchmal besser mit Unterstützung.


Immer wenn wir uns angegriffen fühlen, uns rechtfertigen wollen, oder von einer tiefen Enttäuschung überwältigt werden, dürfen wir innehalten. Vielleicht schaffen wir das auch erst mit etwas Abstand. Aber dann können wir den Schatz heben, den diese Emotionen uns zeigen wollen. Wenn wir den Weg zurück in ein Gefühl der Sicherheit finden, können wir andere Perspektiven zulassen und durch die Zuwendung zu uns selbst lernen und wachsen.


Emotionale Selbstregulation


Gefühle wahrzunehmen und zu halten, ohne impulsiv zu handeln. Das bedeutet: belastende Gefühle nicht „wegmachen“, aber handlungsfähig bleiben, auch bei Wut, Angst oder Überforderung. Meditation, Journaling, Tanzen, Boxen und Yoga helfen mir dabei, immer besser in Kontakt mit meinen Gefühlen einfach zu sein. Hier spielt der Körper die Hauptrolle.


Häufig zeigen sich zuerst die so genannten reaktiven Emotionen wie Wut oder Ärger. Darunter liegen die Kernemotionen, die immer für wichtige Bedürfnisse stehen. Finde ich unter meiner Wut zum Beispiel eine Traurigkeit, weiss ich, dass mir etwas fehlt - zum Beispiel Verbindung.


Übrigens: Auch Ziele und Visionen wollen gefühlt und verkörpert werden! Klarheit zeigt auch hier der Körper, denn er lügt nicht. Körperliche Reaktionnen können aber auch zum Spannnungsabbau auf die falsche Fährte führen. Ich erwische mich zum Beispiel immer mal wieder dabei, dem Dopamin zu folgen und so meine wirklichen Prioritäten zu vergessen. So buche ich ein Event, das meine Neugier geweckt hat, anstatt an meinen Zielen zu arbeiten. Diese Impulskontrolle erfordert innere Klarheit und Entschlossenheit. Als Gegengewicht zu spontanen Impulsen braucht es daher eine gute Verankerung und Commitment. Das gilt natürlich genauso bei Ängsten, Blockaden oder anderen Vermeidungsstrategien.


Werte- und Zielklarheit


Wenn ich Entscheidungen aus mir selbst heraus treffen möchte, dann muss ich wissen: Was ist mir wirklich wichtig? Wofür stehe ich? Ich muss mir bewusst sein, wenn ich mich zu stark anpasse, selbst übergehe oder aus einer emotionalen Reaktion heraus einem Impuls folge.


Werte sind für mich mein Kompass, der meist sehr klar zu mir spricht. Es ist sehr wertvoll, sich immer mal wieder mit den eigenen Werten zu beschäftigen. So können wir auch in unterschiedlichen Lebensbereichen unterschiedliche Werte priorisieren.


Der Unterschied zu Bedürfnissen als Motivator: Werte fordern manchmal Opfer. Denn für Werte sollte ich auch dann einstehen, wenn mich das etwas kostet - sonst verrate ich mich selbst und verliere meine Selbstachtung.


Schließlich geben Werte auch die Richtung vor für meine Ziele. Sie können als Prüfsteine dienen, ob ich mir Dinge vornehme, weil "man das so macht" oder aus eigener Überzeugung. Nur, wenn ich hinter meinen Zielen stehe, werde ich sie auch erreichen können.


Selbstverantwortung


Die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Erleben und Handeln zu übernehmen ist ein klares Zeichen von emotionaler Reife. Ich stehe zu mir - unabhängig davon, wie sich andere verhalten, was sie über mich denken oder ob ich dafür auch Nachteile in Kauf nehmen muss.


Der Schlüssel ist diese innere Überzeugung: "Ich bin OKAY!". Ich kann und solltet mich für Fehlverhalten entschuldigen und auch Dinge wieder gut machen. Wir alle sind Menschen und nicht perfekt. Aber erst die Übernahme der Verantwortung holt mich wirklich raus aus der Schuld- und Schamfalle, die oft auch mit alten Wunden noch in Verbindung steht. Wir lernen, das eigene Verhalten bewusst gegen alte, reaktive Emotionsmuster zu steuern - und in kleinen Schritten immer klarer und eigenverantwortlicher zu werden. 


Selbststeuerung als ständige Praxis


Letztlich ist Selbststeuerung eine Lebensaufgabe. Immer wieder sind wir aufgerufen, Prioritäten zu setzen, Grenzen zu wahren, für uns zu sorgen und bei uns zu bleiben – auch dann, wenn es unbequem ist.


Als tägliche Praxis brauche ich kleine Inseln und Rituale, um mich immer wieder auszurichten und meine innere Stimme am imaginären Regler lauter zu drehen. Denn ich habe für mich herausgefunden: Es tut mir gut, einen Rahmen zu haben, in dem ich wirklich das tue, was mir gut tut. Auch eine kleine "Buchführung" oder Journaling kann unterstützen: nimm dir am Abend einen kurzen Moment und schreibe für dich auf, was schon gut funktioniert hat oder wo die Struggle liegen.


Wie gelingt es dir, dich selbst ernst zu nehmen? Welcher Punkt fällt dir am schwersten - welcher fällt dir leicht? Schreib mir gerne oder lasse einen Kommentar da.

 
 
 

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